Marie Theres Muxel

Marie Theres Muxel

„Ich verwirkliche mich im Schreiben“Die junge Autorin Marie Theres Muxel setzt mit ihrem Atelier La Marie in Oberlech neue Akzente in der Kulturszene am Arlberg

LECH Die bekannte amerikanische Intellektuelle und Autorin Joan Didion schrieb einmal „Wir erzählen uns Geschichten, um zu leben.“ Dieses Bonmot könnte auch von der Marie Theres Muxel stammen, denn in ihrem ersten, vor zwei Jahren veröffentlichen, Buch „Bitte keine Lyrik“ steht als Vorwort der Satz „Weil eine Welt mit Geschichten eine bessere Welt ist“. Ihr Zugang zum Erfassen der eigenen Gefühle, aber auch dem Geschehen in der Welt, finde durch das Schreiben statt: „Wenn ich etwas aufschreibe und für mich ausformuliere, entdecke ich immer wieder neue Aspekte und Dinge, die mir vorher gar nicht aufgefallen sind. Ich verwirkliche mich im Schreiben.“ Die begeisterte Tagebuchschreiberin notiert immer und überall Dinge, die sie ansprechen und berühren. Denn Gefühle und deren Ausdruck nehmen viel Platz in ihrem Schreibprozess ein.

Frühe Faszination für Literatur

Literatur spielte schon immer eine große Rolle im Leben von Marie Theres Muxel. Das Interesse hierfür wurde bei gebürtigen Lecherin schon sehr früh gelegt: „Unsere Eltern haben meinen Geschwistern und mir schon vorgelesen als wir noch ganz klein waren. In unserem Elternhaus befand sich eine umsichtig ausgewählte Bibliothek, in der ich schon früh wahre Schätze für mich entdeckte. Außerdem war mein Papa ein ausgezeichneter Geschichtenerzähler, dem wir gebannt zuhörten.“ Dieses Eintauchen in andere Lebenswelten, wie sie eben nur durch die Literatur möglich ist, verstärkte sich bei ihr sodann auch noch mit dem Erlernen des Lesens: „Zu meinen Lieblingsbüchern zählten die Romane für Kinder der Autorin Cornelia Funke. Ich habe einige davon sogar mehrfach gelesen. Mich hat schon als Kind neben dem Inhalt auch ihr Schreibstil besonders gut gefallen.“ Sodann besuchte sie das Sacré Coeur Riedenburg in Bregenz: „Deutsch war mein absolutes Lieblingsfach. Johann Wolfgang von Goethes ‚Faust‘ hat mich nachdrücklich beeindruckt, die Kernaussagen dieses Buches sind zeitlos und von nahezu universeller Gültigkeit.“

Spannende Transformationsprozesse

Marie Theres Muxel zeichnet unter anderem eine unglaubliche Kreativität und Offenheit aus. Die sympathische Arlbergerin wählte nach dem Abitur vorerst eine Ausbildung als Schauspielerin in Wien: „Mit dem Darstellen einer Figur auf der Bühne werden Gefühle auf eine andere Weise transportiert als beim Schreiben eines Textes. Das Schauspiel bildet eine andere Ebene, bei dem die Gefühlswelt eines Protagonisten auch nonverbal zum Ausdruck gebracht werden kann. Diesen Transformationsprozess vom geschriebenen Wort zu einer Darstellung auf der Bühne habe ich sehr spannend gefunden.“ Eine weitere Station ihrer Ausbildung war ein Studium des Modejournalismus in München: „Das war dann doch nicht so meins. Denn es ging vor allem darum, wie Mode in Szene gesetzt wird.“ Mit der ihr eigenen Zielgerichtetheit und Flexibilität wechselte die Sprachkünstlerin an die Universität Wien, dort studierte sie Kunstgeschichte ergänzend mit Philosophie, Wirtschaft und Geschichte.

Andere Wahrnehmung der Dinge

Das breit gefächerte Studium der Kunstgeschichte lag ihr: „Ich habe mir zuerst gedacht, es werden einzelne künstlerische Perioden der Kunstgeschichte mit den jeweiligen Künstlern dazu besprochen. Aber das war nicht der Fall. Im Gegenteil, wir haben uns teilweise ein Semester lang mit einem einzigen Künstler beschäftigt.“ Diese intensive Auseinandersetzung mit einem einzelnen Künstler oder Kunstwerk habe sie geprägt: „Ich nehme viele Dinge ganz anders wahr und nehme mir auch Zeit dafür. Wenn ich beispielsweise durch eine Straße gehe, fallen mir architektonische Gebilde ganz anders und mitunter sogar auch zum ersten Mal auf. Besonders geprägt habe sie außerdem der Austausch mit ihren Kommilitonen, Professoren, Betreuern und anderen Kunstbegeisterten: „Das hat meinen Blickwinkel erweitert und Horizont erweitert. Fachlich habe ich gelernt, ins Detail zu gehen. In unserer schnelllebigen Zeit sind wir gewohnt, schnell weiter zu scrollen, weiter zu klicken oder schnell durch Ausstellungen zu gehen.“

Literatur als eine wesentliche Kunstform

Den Wunsch, einen Kunstraum in Lech zu eröffnen, verfolgte die innovative Künstlerin schon lange. Mit dem Ausbruch der Pandemie ging es mit der Umsetzung schneller als gedacht: „Mein Studium wurde vollständig in den virtuellen Raum verlegt. So entschied ich mich, von Wien wieder in meinen Heimatort Lech zu ziehen.“ Kurzerhand habe sie gemeinsam mit ihrem Bruder Johannes den ungenützten Jugendraum im Muxelhof in einen Ausstellungsraum umgebaut. Dort sind neben Künstlern mit Vorarlberg-Bezug auch immer neue Exponate der Fotoarbeiten ihres Bruders zu sehen. Das Atelier befindet sich direkt im elterlichen Bauernhof, ganz am Ende der Straße in Oberlech. Durch Glaswände sind im Winter die Kühe und Schafe im Stall zu sehen, derzeit befinden sich diese auf der Alm. Das harmonisch gestaltete Atelier ist zugleich Arbeits-, Ausstellungs-, Verkaufs- und Veranstaltungsraum, auch Workshops finden dort statt. „Ich möchte hier ein kleines Zuhause für Kunst und Kreativität bieten“, betont Marie Theres Muxel. Noch im Laufe des Sommers präsentiert sie dort auch ihr zweites Buch. Für sie gilt ganz selbstverständlich: „Literatur ist eine ganz wesentliche Kunstform.“

Zur Person: MARIE THERES MUXEL
Geboren 18. Jänner 1994
Familie In einer Lebensbeziehung mit Matteo Walser
Wohnort Lech
Hobbys Lesen, Reisen, Wandern
Lebensmotto Das Leben besteht aus der Summe glücklicher Augenblicke. (Gerhard Uhlenbrock)

Information: Atelier La Marie
Oberlech 365, 6764 Lech
Homepage www.lamarie.at
Mail atelier@lamarie.at
Telefonnummer 0664 4592152