Der Tradition verpflichtet

Der Tradition verpflichtet

Martin Jochum hat mit viel Aufwand und Fachwissen die alte Säge
in Zug restauriert. Seit Ende Juni ist sie nunmehr wieder in Betrieb.

LECH: Die alte Säge in Zug liegt sehr idyllisch im Waldgebiet des Ortsteils Zug in Lech. In ihrer Beständigkeit bietet sie ein lebendiges Zeugnis alter Handwerkskunst. „Es gibt sehr wenig geschichtliche Aufzeichnungen zur Säge. Auf einer Landkarte aus dem Jahr 1797 war sie bereits eingezeichnet, als erstes Dokument dient ein Kaufvertrag, der mit 1880 datiert wurde“, erklärt Martin Jochum. Der 37-jährige Lecher hat ein ambitioniertes Ziel mit viel Tatkraft umgesetzt: die alte Säge in Zug originalgetreu zu restaurieren: „Ich habe vor drei Jahren damit begonnen. Das Projekt ist sehr zeitintensiv. Letzten Sommer habe ich nach rund 3.000 Arbeitsstunden aufgehört, die erbrachten Stunden zu zählen.“ Die alte Säge wurde in den 1970er-Jahren auf Dieselmotor umgestellt, da der fühere Besitzer dadurch vom Wasser unabhängig wurde, in den letzten zehn Jahren lag die Säge dann brach.


Für Martin Jochum ist das Betreiben der Säge ein idealer Ausgleich zu seiner Wintertätigkeit als selbstständiger Skiverleiher. „Ich habe immer schon gerne mit Holz gearbeitet. Mein Urgroßvater war Zimmermann, er und auch mein Vater hat mich oft in den Wald mitgenommen, um Bäume zu schneiden. Das fand ich immer sehr schön, draußen in der freien Natur zu arbeiten“, erinnert sich der sympathische Sportgeräte-Fachmann gerne.

Stationärer Oldtimer
„Bei der Restaurierung wurde mir zudem bewusst, wie viel einfacher es ist, Holz zu bearbeiten als Eisen.“ Insbesondere die Wiederherstellung der ursprünglichen Sägetechnik bot eine besondere Herausforderung: „Der Arbeitsaufwand ist mit dem Instandhalten eines Oldtimers zu vergleichen. Es ist ein langer Weg – nur dreht es sich hier sozusagen um einen stationären Oldtimer. Bei jedem Teil musste ich mir überlegen: Wie funktioniert es? Wie bringe ich es wieder zum Laufen? So stellte sich auch beim Holzzahnrad die Frage, wie ich es repariere, wenn ein Zahn kaputt ist.“ Im Sommer 2019 wurden die Fundamente saniert, die Familie und Freunde, aber auch die Gemeinde Lech haben dabei geholfen: „Unsere erste Arbeit war allerdings, gründlich aufzuräumen und die benötigten Teile von den unwichtigen zu trennen.“

Soziales Engagement
Seit Ende Juni funktioniert nun die Säge wieder. Auf dem Vorplatz, der in Zukunft auch als Schauraum dienen soll, sind ein originell gestalteter Wassertrog aus Holz und ein traditioneller Steckenzaun zu sehen. Außerdem ist eine mobile Säge vorhanden: „Dadurch bin ich flexibel, wenn jemand viel Holz hat, kann ich dann direkt vor Ort arbeiten.“ Flexibel war der innovative Lecher jedoch immer schon, davon zeugt seine umfassende Studien- und Berufslaufbahn. Zudem ist ihm soziales Engagement wichtig: „Ich bin seit 16 Jahren bei der Feuerwehr, das war drei Wochen vor dem Hochwasser. Dadurch war ich dann sogleich voll integriert, seit 2014 bin ich Kommandant. Früher war ich viel unterwegs, so habe ich auch ein Auslandssemester während des Studiums in Südkorea absolviert. Durch diese Erfahrungen ist mir bewusst geworden, was Lech Zürs alles zu bieten hat. Ich wohne sehr gerne hier und bin froh, wenn ich mich auch ins Gemeinwesen einbringen kann.“

Zur Person:
Martin Jochum
Geboren am 29. August 1984
Wohnhaft in Lech
Beruflicher Werdegang: HTL für Elektrotechnik in Bregenz, Studium in Wien für Sportgerätetechnik, berufsbegleitendes Studium Entrepreneurship an der Universität Liechtenstein, Entwicklung und Produktion von Lawinen-Airbags in einem deutschen Unternehmen, 2014 Übernahme des väterlichen Betriebs als Skiverleiher