Ein fest für Literaturliebhaber

Ein fest für Literaturliebhaber

Heuer fand erstmals das neue Format Literaricum Lech statt. Die Premiere war ein kulturelles Großereignis der Sonderklasse.

LECH: Nachdem sich das Philosophicum Lech in den letzten 25 Jahren zu einer festen Größe im Kulturleben von Lech am Arlberg etabliert hat, wurde es Zeit für den nächsten Schritt: das Literaricum Lech. Die Kulturjournalistin Nicola Steiner, die diese Veranstaltung kuratiert, verwies in ihrer Begrüßung auf den französischen Schriftsteller Mathias Énard: „Kein Mensch, kein Werk verschwindet spurlos in den Weiten des Universums, stattdessen findet permanent eine Wandlung, eine Verwandlung statt. Jeder hinterlässt Abdrücke und Spuren, die sich auf eigenartigen, verschlungenen und rätselhaften Wegen über Generationen hinweg in den Nachfahren und deren Wirken manifestieren.“ Diese Passage könne als Bild dafür genommen werden, was die Besucher beim Literaricum erwarte: „Wir wollen jedes Jahr auf Spurensuche gehen und uns dabei an einem literarischen Leitstern vergangener Tage orientieren. Dabei werden wir darüber diskutieren, inwieweit dieser Klassiker der Weltliteratur heute noch zu uns spricht und uns eine Richtung zu geben vermag.“

„Wir können nie aufhören, die Literatur zu lieben, wenn wir einmal infiziert worden sind.“ – Michael Köhlmeier, Schriftsteller

Die Bedeutung von Literatur
Das Literaricum Lech wird sich von gängigen Literaturveranstaltungen insofern abheben, indem es nicht auf aktuelle Verlagsprogramme und saisonale Sensationen eingehen muss, sondern sich allein dem Erkenntnisgewinn einer hochwertigen Literatur widmet. So verspricht das alljährlich im Frühsommer stattfindende Literaturfestival zugleich Bildung und Unterhaltung auf hohem Niveau. Michael Köhlmeier, der neben dem Autor und Literaturwissenschaftler Raoul Schrott zu den Mentoren dieser neuen Formatserie zählt, ging in seiner Rede auf die Rolle der Literatur ein: „Große Dichter und Poeten können uns ganz einfache, scheinbar belanglose Dinge unserer Welt so zeigen, als ob wir sie das erste Mal sähen. Wenn man das beim Lesen erlebt oder begriffen hat, wird man nie aufhören, die Literatur zu lieben.“ Jemand anderen zu kennen, selbst wenn man über Jahre mit ihm zusammenlebe, sei nicht wirklich möglich: „Wir können bei niemand bis in den innersten Punkt schauen. Ein großer Poet vermag es aber, das Innenleben eines Menschen in einer Tiefe auszuleuchten, die wir unter Umständen nicht für möglich gehalten haben. Wir können nie aufhören, die Literatur zu lieben, wenn wir einmal infiziert worden sind.“ Ein spannendes Phänomen bestehe in einem Dreieck: Indem jemand einem anderen etwas vorlese, sei immer ein Dritter dabei, nämlich der Autor.