Essen ist eine Sprache, die alle sprechen und verstehen

Essen ist eine Sprache, die alle sprechen und verstehen

Das Klösterle in Zug wurde von Gault Millau zum Newcomer des Jahres 2021 gewählt. Und das völlig zu Recht. Es entpuppt sich als Glücksfall für Lech.

LECH, ZUG: Von Zentrum von Lech kommend, gelangt man nach einer Stunde Fußweg zur letzten Absperrung in Zug, wo nur noch Wanderer weiterkommen. Oder man fährt mit dem regelmäßig verkehrenden Linienbus dorthin. Dort steht, idyllisch gelegen, das Restaurant Klösterle, ein historisches Walserhaus aus dem 17. Jahrhundert. Rein äußerlich hat es die vergangenen Jahrhunderte unbeschadet überstanden, im Inneren wurde es durch die beiden Gastgeber Katia und Gerold Schneider in dem ihnen eigenen, unnachahmlichen Stil gestaltet. Es wirkt unprätentiös, schlicht, klar und stilvoll – wie auch ihr Almhof Schneider, die Allmeinde Commongrounds in Lech sowie der neue Kunstraum Zug. Und auch die Freundlichkeit des Personals fällt dem Besucher schon beim Betreten des Restaurants auf. Im Klösterle wird Gastgeben in seiner höchsten Form geboten. „Es ist nie ganz leicht, Liebgewordenes über Bord zu werfen. Über Jahrzehnte war das Klösterle mit herzhaftem Essen und musikalischer Untermalung verbunden. Als wir das Klösterle von meiner Mutter, die es entdeckt und liebevollst aufgezogen hatte, übernommen haben, fanden wir, es wäre Zeit für etwas Neues“, erzählt Gerold Schneider. „Begonnen hat die Veränderung bereits mit Milena Broger, die mittlerweile ihr eigenes Restaurant, das Weiss in Bregenz, führt. Mit Jakob & Ethel hat das Klösterle in unseren Augen kulinarisch seine Bestimmung und Jakobs und Ethels Küche selbst ein Zuhause gefunden.“ Aus dem, was die beiden Kochprofis an – oft unbekanntem – Nahr- und Schmackhaftem vor Ort finden und für den Winter haltbar machen, und den Produkten, die sie in unglaublich akribischer Recherche gesucht und gefunden haben, ist eine Küche entstanden, die überraschend und vollkommen eigenständig ist, nämlich Fine Dining, ohne jemals kompliziert zu sein, „Family-Style-Essen, ohne einfach nur Wirtshausküche zu sein“.

Zusammenarbeit erwünscht
Geblieben bei aller Veränderung sind die Atmosphäre und der unvergleichliche Charme dieses wunderbaren alten Hauses, in die sich diese Küche so selbstverständlich einfügt. „Die Auszeichnung als Newcomer of The Year freut uns sehr: Sie belohnt den Mut zur Veränderung und sagt gleichzeitig zu Recht, dass wir uns erst ganz am Anfang befinden“, betonen Katia und Gerold Schneider. „Für die Zukunft würden wir uns wünschen, vor allem in den Sommern, mit den Landwirten und Bauern im Zugertal gemeinsam möglichst viele eigene Produkte erzeugen und diese nicht nur im Klösterle anbieten zu können.“

Naturnahe Küche
Der Südtiroler Jakob Zeller und die aus Singapur stammende Ethel Hoon haben sich in Magnus Nilssons legendärem Fäviken in Nordschweden kennengelernt. Einiges haben sie von dort mitgebracht. Beeren, Kräuter, Wurzeln und Pilze werden gesammelt und in weiterer Folge eingelegt, eingeweckt, gekocht oder fermentiert. Es ist den beiden Köchen ein Anliegen, naturnah zu kochen, aber sich auch von der fleischlastigen Küche der Alpen abzuheben. „Herkunft braucht Zukunft, rustikal und herzhaft wird bei uns leicht und frisch“, betonen Ethel Hoon und Jakob Zeller. „Als ein an Produkten ausgerichtetes Restaurant sind wir dankbar für die Produzenten und Bauern, die wir in unserer Nähe haben und mit denen wir direkt arbeiten können: von Gemüse, über Fleisch bis zu Milchprodukten. Der Dialog mit ihnen ist jeweils eine Chance zu lernen, sich zu verbessern und die besten Produkte zu verwenden, die wir finden können. Das schlägt sich direkt in unseren Gerichten nieder und in der Art, wie wir diese reichen. Essen ist eine Sprache, die wir alle sprechen und verstehen, wie das Vergnügen, ein gutes Mahl in guter Gesellschaft zu teilen.“ Das Gastronomen-Paar möchte zu den elementaren Bestandteilen eines Mahls zurückkehren, die im Teilen von Zeit, Geselligkeit und Essen besteht. So präsentiert die Karte viele kleine Gerichte, die zum Teilen einladen. Auch nach mehreren Gängen kommt keine Schwere auf – im Gegenteil: Die kulinarischen Kreationen wirken durch ein Feuerwerk an Aromen höchst belebend.

Informationen

Restaurant Klösterle
Zug 27, 6764 Lech
Tel. 05583 3190
www.restaurant-kloesterle.at