Synergien sinnvoll nutzen

Synergien sinnvoll nutzen

Bürgermeister Stefan Jochum ist seit seiner Amtsübernahme im Herbst 2020 mit besonderen Herausforderungen konftrontiert.

LECH: Stefan Jochum wurde am 13. Oktober letzten Jahres als Bürgermeister von Lech angelobt. Zuvor war er für die Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinde Lech und als deren Standesbeamter tätig. Mit Übernahme seiner neuen Funktion stand er vor ganz besonderen Herausforderungen – insbesondere durch die Corona-Krise und deren Folgen. Dennoch blickt er positiv in die Zukunft. Ein besonderes Anliegen ist es ihm, sowohl in der Gemeinde als auch in der Region Synergien zu nutzen.

Sie haben das Bürgermeisteramt vor neun Monaten übernommen. Wie geht es Ihnen damit?

Stefan Jochum: Die Wahl zum Bürgermeister von Lech ist für mich mit großer Verantwortung verbunden und ich möchte mich auch an dieser Stelle nochmals bei allen Menschen bedanken, die mir im Herbst des vergangenen Jahres das Vertrauen für diese Aufgabe geschenkt haben. Ich habe diese neue Rolle in einer sehr herausfordernden Phase übernommen. Alle in der Verwaltung waren in den vergangenen Monaten massiv gefordert. Dieser Umstand und die Corona-Bestimmungen haben dazu geführt, dass viele Themen verschoben werden mussten und der persönliche Kontakt mit den Bürgern bisher zu kurz gekommen ist – das wird sich in Zukunft ändern und darauf freue ich mich.

Welchen persönlichen Bezug haben Sie zu Lech?

Stefan Jochum: Lech ist meine Heimat. Hier bin ich aufgewachsen, hier habe ich viele Jahre für die Gemeinde gearbeitet, hier ist meine Familie und mein Lebensmittelpunkt. Lech ist für mich nicht nur ein Ort, sondern eine Gemeinschaft mit vielen Menschen, die sich für unser Dorf einsetzen und unsere Zukunft gemeinsam gestalten wollen. Das schätze ich an unserer Gemeinde und das macht mich als Bürgermeister stolz. Meine Aufgabe sehe ich darin, die unterschiedlichen Interessen zusammenzuführen und gemeinsame Wege zu finden. Das ist nicht immer leicht, aber es ist das Beste für Lech.

In Lech galt bisher das Mehrheitswahlrecht. Wie sieht das neue System aus? Worin sehen Sie darin Vorteile?

Stefan Jochum: Das Mehrheitswahlsystem ist im österreichweiten Vergleich eine Besonderheit, die für uns und viele andere Gemeinden in Vorarlberg für einen gewissen Zeitraum gut funktioniert hat. Aber die Zeiten ändern sich. Das Verhältniswahlrecht mit unterschiedlichen Listen bietet zusätzliche Möglichkeiten, sich in das politische Geschehen der Gemeinde einzubringen und bindet mehr Menschen in die Entscheidungsprozesse ein. Das ist aus meiner Sicht nicht nur zeitgemäß, sondern auch gut für die politische Vielfalt der Debatten und der Entscheidungen in unserer Gemeinde.

Wie wichtig ist es Ihnen, dass sich jede einzelne Fraktion einbringen kann?

Stefan Jochum: Für mich ist es ganz entscheidend, dass sich alle mit ihren Vorstellungen und Ideen für Lech einbringen können. Das gilt nicht nur, aber ganz besonders für die gewählten Fraktionen in der Gemeindevertretung. Auf dieser Basis gilt es dann Gemeinsamkeiten zu finden, demokratisch zu entscheiden und den beschlossenen Weg gemeinsam zu gehen.

Synergien zu nutzen, ist Ihnen ein sehr wichtiges Anliegen. Was verstehen Sie konkret darunter?

Stefan Jochum: Die Gemeinde Lech ist seit vielen Jahren auf einem erfolgreichen Weg. Wie so oft in öffentlichen Organisationen sind aber einige strukturelle Fragen in der Vergangenheit offengeblieben. Das wollen wir ändern, indem wir alle Bereiche der Gemeindeverwaltung durchleuchten und Wege finden, um vorhandene Synergien zu nutzen und Prozesse und Abläufe effizienter zu gestalten – einerseits, um Kosten einzusparen, andererseits, um die Servicequalität für die Lecher zu verbessern. Ich bin froh, dass ich mit unserer neuen Amtsleiterin Jutta Dieing eine kompetente und verlässliche Persönlichkeit an meiner Seite habe, die diesen Entwicklungsprozess in der Gemeinde mit mir gemeinsam vorantreibt. Synergien gibt es aber auch in der Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden. Ein Beispiel dafür ist die ERFA-Gruppe der Tourismusbürgermeister mit der Frage, wie wir künftig mit Inves-torenmodellen in beliebten Tourismusdestinationen umgehen wollen. Vor diesem Problem stehen wir alle gleichermaßen und alle brauchen wir Lösungen – Lösungen, die wir nur gemeinsam durchsetzen können.

Ein aktuelles Thema ist die Gestaltung des Dorfzentrums. Wie sieht der aktuelle Stand aus?

Stefan Jochum: Wir haben mit dem Hochbau begonnen und die beiden Gebäude in unserer Dorfmitte werden jetzt zunehmend an Kontur gewinnen. Bei diesem Projekt liegen wir sehr gut im Zeitplan. Neben der baulichen Dimension geht es mir bei dem Projekt aber vor allem um strukturelle und gesellschaftliche Fragen. Es ist kein Geheimnis, dass das Gemeindezentrum in Lech kontroversiell diskutiert wurde und bis heute viele Emotionen mit dem Bau verbunden sind. Umso wichtiger ist es mir, dass wir die Häuser in unserer Dorfmitte buchstäblich mit Leben füllen. Wir haben in den vergangenen Monaten viel über Beton gesprochen, jetzt müssen wir über Menschen sprechen – das wird für uns in Zukunft bei dem Projekt im Vordergrund stehen.

Kultur ist Ihnen ein wichtiges Anliegen. Auf welche Veranstaltungen freuen Sie sich in diesem Sommer ganz besonders?

Stefan Jochum: 15 Monate lang haben wir eine Welt ohne kulturelle Veranstaltungen erleben müssen und ich glaube wir haben alle gemerkt: Es fehlt etwas. Insofern bin ich sehr froh, dass wir uns in diesem Sommer auch in Lech wieder auf zahlreiche Veranstaltungen freuen können, bei denen man Kunst und Kultur gemeinsam mit anderen Menschen erleben kann. Für mich als Oldtimerliebhaber war und ist dabei die Arlberg Classic Car Rally immer eines der Highlights der Saison. Ganz besonders freue ich mich auch über das neue Veranstaltungsformat „Höhenrausch“, bei dem namhafte Musiker aus der ganzen Welt live in unserer traumhaften Bergkulisse auftreten.

Sie selber sind auch Musiker. Welche Rolle spielt Musik in Ihrem Leben?

Stefan Jochum: Eine große. Gerade in Lech ist Musik auch Tradition, Freundschaft und Freude an der Kameradschaft. Das macht sehr viel Spaß und ist ein guter Ausgleich zum oft anstrengenden Alltag. Leider bringt es das Bürgermeisteramt mit sich, dass die Zeit zum Musizieren nun etwas eingeschränkt ist. Aber Musik gehört für mich zum Leben dazu. Ich glaube, das macht unser Dorf auch ein Stück weit aus – genauso wie die zahlreichen Vereine, die unser Dorf lebenswert machen. Ihnen allen gilt mein besonderer Dank.

Zur Person
Stefan Jochum
Geboren am 12. März 1966
Verheiratet mit Ulli
Wohnaft in Lech
Hobbys: Bewegung in der Natur (Skifahren, Mountainbiken),
Oldtimer, Musik (Obmann der Trachtenkapelle Lech)